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Ingelheim am Rhein

Die Sonderausstellung der Forschungsstelle Kaiserpfalz wird einen tiefen Einblick in die Regierungspraxis des Mittelalters gewähren: ihre Akteure und ihre Riten sowie das Charisma mittelalterlicher Herrscherorte. Neben Leihgaben werden auch Objekte aus der Ingelheimer Archäologie narrativ inszeniert. Um ein Gesamtbild des Mittelalters beschreiben zu können, wird in jedem Raum zudem ein weiterer Pfalzort anhand von Objekten, Modellen und politischen Ereignissen betrachtet.

Zentralisierung von Herrschaft

Zeitschnitt I: 6.–8. Jahrhundert

Die Zeitreise beginnt Anfang des 6. Jahrhunderts: Es werden die Anfänge und Voraussetzungen für die Entwicklung einer Siedlung zu einem wichtigen Versammlungsort am Beispiel der Ingelheimer Pfalz rekonstruiert. Hierbei wird auf neueste archäologische Forschungen aufgebaut, die ein überdurchschnittlich großes Sakralzentrum mit Taufkapelle zu Tage brachten. Dieses zeigt eine fortgeschrittene Siedlungsentwicklung an, die im Bau einer monumentalen Pfalzanlage im 9. Jahrhundert mündet.

Dynamisierung

Zeitschnitt II: 9. Jahrhundert

Aufwändig gearbeiteter Bauschmuck, an dem damals die königliche Aura festgemacht wurde, wird in der Ausstellung die Pracht der Ingelheimer Pfalz und anderen Herrschaftsorten vor Augen führen. Die hohe Mobilität des Reisekönigtums und die wachsende Macht der Karolinger führten zum Bau repräsentativer Pfalzanlagen im gesamten Reich. Diese dynamische Herrschaftspraxis war sowohl Folge als auch Voraussetzung für das Versammlungswesen und stellte den Kontakt zu den Großmächten der Welt sicher.

Heidesheimer Tor um 800

Digitale Rekonstruktion des Heidesheimer Tors um 800. © Stadt Ingelheim

Inszenierung von Herrschaft

Zeitschnitt III: 10.–11. Jahrhundert

Im 10. Jahrhundert war Ingelheim ein wichtiger Herrschafts- und Versammlungsort des Reiches. Hier trafen sich die höchsten Amts und Würdenträger, um in politischen, rechtlichen und militärischen Fragen Einigung zu erzielen. Dabei spielte die Demonstration der eigenen Macht und das Einhalten von Zeremonien eine zentrale Rolle. Wichtigste Zeugnisse dafür sind heute die Reichsinsignien, die in der Ausstellung mittels qualitätsvoller Repliken die Pracht und den Repräsentationsgedanken im Mittelalter belegen.

Adlerfibel

Große Adlerscheibenfibel aus dem Ensemble des sogenannten Schatzes der Kaiserin Agnes, 980-1000 n. Chr. © GDKE, Landesmuseum Mainz, Foto: Ursula Rudischer

Auratisierung

Zeitschnitt IV: 12. Jahrhundert

Zum Abschluss wird das Charisma des Ausstellungstitels unter dem Schlagwort der „Auratisierung“ nochmals aufgegriffen. Die Bedeutung Ingelheims wurde durch die Renovierung der Pfalz durch Friedrich I. Barbarossas überhöht. Die Pfalz in Ingelheim wurde befestigt, neue, burgähnliche Pfalzen entstehen, so zum Beispiel in Bad Wimpfen. Ingelheim wird zum Ort der Legendenbildung. So sieht Gottfried von Viterbo (1125-1191/1192) Ingelheim als den Geburtsort Karls des Großen an. Die Pfalz wird weiterhin als königlicher Herrschaftsort ausgezeichnet, während die reale Gewichtung Ingelheims als Versammlungsort abnimmt. Erreicht das Charisma des Ortes in dieser Phase seinen Höhepunkt?

Auratisierung - Aula Regia

Aula regia. Überblendung des heutigen Zustands mit der digitalen Rekonstruktion des Aussehens um 800. © Stadt Ingelheim, Archimedix GmbH